Newsletter – 2019


Inhaltsverzeichnis


Newsletter November

IMV-Newsletter November 2019

Liebe Interessierten,

unser Institut wird immer wieder einmal angefragt, einen Beitrag zum Islamdiskurs in den Medien zu verfassen. So auch vor einigen Jahren von Novo Argumente konkret an Sabine Schiffer gerichtet. Unsere Institutsleitung verfasste einen rassismuskritischen Beitrag über die medialen Schwerpunkte der Berichterstattung, die Islam und Muslime berührt und das Messen mit zweierlei Maß bei der Darstellung nachweisen konnte. Novo Argumente wollte den Beitrag ändern, weil er „gegen die Meinungsfreiheit“ gerichtet sei. Wir zogen den Beitrag darauf hin zurück. Diese (wissenschaftliche fundierte) Meinung wurde also nicht veröffentlicht. (Man achte auf das Selbstbild auf der Website: www.novo-argumente.com).

Dieses Beispiel ist symptomatisch für eine Debatte, die sich inzwischen zu einem Standard mit vielen Extremen ausgewachsen hat. Die Berufung auf Meinungsfreiheit ist zu einem Chiffre geworden für Verallgemeinerung und Verunglimpfung bis hin zu Freiheit für Hass und Hetze. Thilo Sarrazin hat es hoffähig gemacht, indem er seinen Kritikern nicht Meinungsfreiheit zubilligte, sondern ihnen vorwarf, seine beschneiden zu wollen. Auch der Vorwurf der Politischen Korrektheit geht häufig in die gleiche Richtung, wie Carolin Emcke richtig beobachtet: https://www.sueddeutsche.de/kultur/politisch-korrekt-kritik-emcke-meinung-1.4654027. Sie schließt in ihrem lesenswerten Kommentar:

„All die vollmundigen Erklärungen und Maßnahmen gegen rechtsradikale, völkische Fanatiker nützen nichts, wenn gleichzeitig all jene Bürgerinnen und Bürger herablassend bespöttelt werden, für die Respekt vor anderen keine elitäre Zumutung, sondern eine soziale Selbstverständlichkeit bedeutet.“

In den sog. Sozialen Medien kursiert ein Bild zum Thema, wo ein kapuzentragender Jüngling einem älteren Herren im Anzug von hinten an die Gurgel will. Auch in dem hier erkennbaren tendenziösen Tenor (Schmuddelkind/Rassismuskritiker vs. Ehrenbürger…) sind viele Medien unterwegs und spielen auf eine Situation an der Uni Hamburg an, wo brüllende Protestierer dem AfD-Mitbegründer Lucke das Wort verweigerten. Nicht alle Beiträge sind so, aber viele vermuten die Einschränkung von Meinungsfreiheit nur auf der Seite Luckes – dabei ist die Ablehnung des Protests der Studierenden auch ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. So langsam scheinen sich die gesetzlich definierten Grenzen der Meinungsfreiheit zu verschieben in Richtung: Rassismus, Menschenverachtung und Volksverhetzung. So als seien dies legitime Meinungen und nicht etwa ein Straftatbestände.

Unsere Linkauswahl hier ist biased, also tendenziös, weil wir uns bewusst nicht an Hass und Hetze beteiligen wollen – gegen niemanden, aber auch nicht über jedes Hölzchen und Stöckchen springen werden, dass uns rechtextreme Guerilla-Marketing-Strategen vor die Füße werfen und natürlich keine Listen anlegen…

https://www.zeit.de/politik/2019-10/meinungsfreiheit-politische-korrektheit-oeffentlichkeit-empoerung-streit-schweigespirale

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-10/meinungsfreiheit-ddr-brd-diktatur-demokratie-umfrage-wiedervereinigung

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/wo-kommen-nur-all-die-rassisten-her-kolumne-a-1294106.html

Die Debatte wird weiter gehen und es sind alle aufgefordert, sich konstruktiv daran zu beteiligen.

IMV News

Nach dem unerwarteten Tod von Dr. Werner Hopf wurde Sabine Schiffer zur Vorsitzenden des Vereins gegen Mediengewalt gewählt, zusammen mit dem Diplom-Psychologen Thomas Haudel. Bald mehr zum neuen Vorstand auf der in Arbeit befindlichen neuen Website des Vereins. Wer für die neue Seite spenden möchte oder Mitglied im Verein werden, kann dies über das IMV-Konto bei der GLS-Bank tun unter dem Stichwort „Mediengewalt“: IMV gUG – GLS Gemeinschaftsbank eG – IBAN: DE89 4306 0967 1229 8692 00. Vielen Dank im Voraus!

 


Newsletter Oktober

IMV-Newsletter Oktober 2019

Liebe Interessierte,

in Israel fanden am 17. September erneut Wahlen statt, nachdem die Regierungsbildung nach denen im Frühjahr 2019 gescheitert war.

Die Berichterstattung kapriziert sich, wie bei vielen anderen Ländern auch, gerne auf einen Zweikampf – im konkreten Fall Netanjahu contra Gantz – und überblendet viele andere Stimmen und Möglichkeiten.

https://www.theguardian.com/world/2019/sep/25/israeli-talks-ramp-up-as-final-election-count-tightens-deadlock

vgl.

https://www.disorient.de/blog/links-liegen-gelassen-stimmen-der-opposition-zu-den-israelischen-neuwahlen

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/was-man-ueber-die-parlamentswahl-in-israel-wissen-muss-100.html

Nicht nur Palästinenser sind wahlmüde, auch viele Israelis sehen ebenfalls kaum Veränderungspotential – zum Beispiel mit Blick auf die schwierige soziale Lage. Trotzdem war die Wahlbeteiligung mit 69,4 Prozent höher als im April.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/was-sich-die-palaestinenser-von-der-israel-wahl-versprechen-nichts-100.html

https://www.theguardian.com/world/2019/sep/15/gaza-city-israeli-elections-we-dont-care-who-wins-benjamin-netanyahu

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-plus/videos/israel-altersarmut-rente-100.html

https://www.arte.tv/de/videos/030273-708-A/arte-reportage

Auf die Bedeutung des Wahlverhaltens orthodoxer Juden weist Igal Avidan in diesem Beitrag hin – bereits diese stellen keine homogene Gruppe dar.

https://www.deutschlandfunk.de/vor-parlamentswahl-in-israel-wenn-der-rabbi-mitwaehlt.886.de.html?dram:article_id=458661

Auffällig ist die Schreibweise von der „Regierung in Jerusalem“, so als wäre das nicht völkerrechtlich umstritten – auch die taz trägt den Sprachgebrauch von Jerusalem als Hauptstadt Israels mit – nach internationalem Recht und mit Blick auf die zumindest offiziell noch zählenden Oslo-Friedensverträge eine Positionierung:

https://taz.de/Israel-vor-der-Wahl/!5624085.

Die Situation der Medien in Israel ist eine spezifische, wo das Militär ganz offiziell Beiträge freigibt oder auch nicht.

https://www.jpost.com/International/IDF-Military-Censor-banned-nearly-300-articles-last-year-562318

https://www.worldpoliticsreview.com/insights/23933/why-censorship-of-israel-s-media-has-grown-under-netanyahu

https://www.deutschlandfunkkultur.de/medien-in-israel-nahostkonflikt-im-internetzeitalter.979.de.html?dram:article_id=349228

https://www.bbc.com/news/world-middle-east-14629611

Dem Medienprofi Netanjahu wird ein Film gewidmet: King Bibi https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/fingeruebungen-des-koenigs. Über seinen Lehrmeister, Arthur Finkelstein, gab es zu Beginn des Jahres einen Beitrag, der auch die PR-Strategie des Negative Campaigning ausleuchtet: https://desktop.12app.ch/articles/15982301.

In dieser Analyse macht die Interviewte eine interessante Beobachtung zur Fokussierung der israelischen Medien auf Netanjahu: „This is actually a good sign for Netanjahu because as long as the discourse is Netanjahu yes or no – let it be prime minister yes or no, corrupt yes or no, etc. he has the greatest [inaudible] of influencing the discourse hence achieving greater ccontrol over it.“

Auf der Seite der Haaretz findet Ihr die endgültigen Wahlergebnisse, wobei man sich interaktiv per Mausklick seine eigene Regierung basteln kann.

https://www.haaretz.com/israel-news/elections/EXT-INTERACTIVE-election-results-israel-2019-polls-netanyahu-gantz-1.7695785

Insgesamt hat die Knesset 120 Sitze, für eine Mehrheit braucht es also mindestens 61 Mandate.

https://www.theguardian.com/world/2019/sep/25/israeli-talks-ramp-up-as-final-election-count-tightens-deadlock

Eine Liste aller Abgeordneten findet ihr hier.

Das Bündnis „Blau-Weiß“  unter Gantz‘ Führung umfasst die „Jesch Atid“, „Chosen LeJisra’el“ und „Telem“ und kam auf 33 Sitze, die Likud auf 32.

Aber wen gibt es eigentlich noch?

Die „Vereinte Liste“ wurde mit 13 Sitzen drittstärkste Kraft im Parlament. Sie ist ein Zusammenschluss der Parteien, „Balad“, „Hadash“, „Ta‘al“ und der „Vereinigten arabischen Liste“.

Daneben gibt es noch die ultrarechte Partei „Israel Beitenu“ von Avigdor Liebermann, ehemaliger Außen und- Verteidigungsminister, die in der Wahl auf 8 Sitze in der Knesset kam. Die „Vereinigtes Thora-Judentum“-Partei kam auf 7 Sitze, ebenso die ultrarechte Allianz „Jamina“. Die ultraorthodoxe „Shas“ kam auf 9 Sitze.

Die vereinte Liste „Labor-Gesher“ der israelischen Arbeiterpartei „haAvoda“ und der „Gesher“-Partei, die sich vor allem auf soziale Probleme fokussiert, kam auf 6 Sitze.

Die „Demokratische Union“ ist ebenfalls ein Zusammenschluss. Hier sind die „Meretz“, die demokratische Partei unter dem ehemaligen Premier Barak und die Grünen gemeinsam angetreten. Sie konnten 5 Sitze erlangen.

Die rechtsextreme „Ozma Jehudit“ (Jüdische Kraft) scheiterte an der Sperrklausel.

Mittlerweile wurde Netanjahu von Präsident Rivlin mit der Regierungsbildung beauftragt, wobei derzeit eine Einheitsregierung diskutiert wird. Die Verhandlungen dürften allerdings schwierig werden, so erteilte Gantz Netanjahu bereits eine Absage.

https://www.jungewelt.de/artikel/363746.regierungsbildung-machtkampf-in-israel.html

https://www.merkur.de/politik/israel-netanjahu-und-gantz-einigen-sich-auf-sondierungen-zr-13012429.html

IMV News

Um mehr Neuigkeiten zum Thema Medienbildung zu erhalten, könnt Ihr uns an info@medienverantwortung.de eine eMail schicken, dann nehmen wir Euch in den Verteiler auf.

 


Newsletter September

IMV-Newsletter September 2019

Liebe Interessierte,

sogenannte Feindeslisten oder Todeslisten, die nach dem Mord an Walter Lübcke in Kassel in Strafverfolgungsbehörden und Medien diskutiert werden, zeigen, worauf man achten sollte in Bezug auf den Schutz der eigenen Daten. Aber nicht nur diese Extrembeispiele, die Platz für Privatadresse und Geburtsdatum vorgesehen haben, sollten eine Warnung sein. Jede(r), die Verantwortung für Anverwandte oder Freund*nnen übernimmt und zum Beispiel telefonisch Amtsgeschäfte für eingeschränkt Geschäftsfähige übernimmt, weiß, dass man mit der Nennung des Geburtsdatums sehr viel erreichen kann. Es fungiert wie ein Sesam-öffne-Dich bei Krankenkassen, Laboren, Behörden aller Art und und und. Name, Geburtsdatum und evtl. Adresse identifizieren uns. Über sie lassen sich Rechtsgeschäfte für die bekannten Personen abwickeln.

Deshalb haben diese sensiblen Daten nichts im Internet zu suchen – und dort landen sie auch über die Smartphones von Verwandten, Freund*nnen und Kolleg*nnen. Denn, wer eine App herunterlädt, stimmt nicht selten zu, dass auf das eigene Adressbuch zugegriffen wird. Wer denkt dabei über seine eigenen Daten hinaus an den Schutz der Daten anderer? Für diese Art von Medienverantwortung müsste in den Bildungseinrichtungen mehr Bewusstsein geschaffen werden. Natürlich sollen keine persönlichen Daten von Schüler*nnen in Lese- oder anderen Portalen landen, oftmals haben die Kinder jedoch schon von ihren Eltern eine frühe Webbiografie geerbt. Da muten Diskussionen wie die über Kidsfluencer geradezu exotisch an: https://www.instagram.com/explore/tags/kidsfluencer/top/?hl=de.

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/kinder-als-influencer-kinderschuetzer-warnen-vor-kinderarbeit-a-1230367.html

Wobei gegen Datenlecks, wie hier bei einer Blutspenderdatenbank, kein Kraut gewachsen scheint: https://www.sueddeutsche.de/digital/blutspende-brk-facebook-patientendaten-1.4576563 Jedoch spätestens hier wird deutlich, dass das Thema alle betrifft.

Was tun, wenn die eigenen Daten schon im Netz kursieren und man erst nach der Zusendung einer teuren Ware, die man nicht selbst bestellt hat, merkt, dass das vielleicht problematisch ist?

1. Eigene Profile reinigen.

2. Verwirrung stiften, indem man widersprüchliche Daten im Netz verbreitet.

3. Sich an die Datenschutzbeauftragten im jeweiligen Bundesland wenden.

4. Wer bereits Hass- oder Bedrohungserfahrungen über das Internet erfahren hat, kann sich beispielsweise an HateAid wenden: https://hateaid.org.

Aktuell sucht das Medienprojekt Wuppertal Teilnehmende für ein Filmprojekt zum Thema Stalking. Falls jemand solche Erfahrungen gemacht hat – auch kein Netzphänomen, aber evtl. ein dadurch verstärktes – melde sich gerne bei: info@medienprojekt-wuppertal.de. Auch für ein weiteres Projekt zum Thema HateSpeech wird um Mithilfe gebeten: https://www.medienprojekt-wuppertal.de/videoprojekt-ueber-hatespeech.

Einmal verbreitete Daten sind – bei allen neuen Schutzbestimmungen – kaum wieder einzufangen. Dennoch sollte man sich evtl. juristisch beraten lassen, was man für Möglichkeiten hat. Wer sich bewegt, hinterlässt Spuren. Die meisten sind für die meisten Menschen nicht einsehbar, aber auf Geburtstagsgrüße bei Facebook oder Instagram (also auch Facebook) sollte man dringend verzichten!

https://www.zeit.de/2018/21/datenschutz-dsgvo-epochenwende-reform

https://www.heise.de/forum/heise-Security/News-Kommentare/Gehackte-Daten-Einfache-Schritte-zum-Schutz-vor-Hackerangriffen/Datensparsamkeit-und-Datenvermeidung-neu-denken/posting-33716187/show/

IMV News

Wir vom Institut für Medienverantwortung als Mitglied im Verein „Mediengewalt – Internationale Forschung und Beratung“ trauern um die kürzlich verstorbenen Mitglieder Elke Ostbomk-Fischer und Werner Hopf. Dr. Werner Hopf war zuletzt der Vorsitzende des Vereins und hat sich in vielen Publikationen und Veranstaltungen für eine sozialwirksamen Schule eingesetzt. Frau Ostbomk-Fischer hat mir ihrer kritischen Stellungnahme zu den Entwicklungen an der FH-Köln im Kontext des Sponsoring von Gaming als Bildungsinhalt entscheidend zur Transparenz beigetragen und ganz wesentlich den Kampf gegen die Verharmlosung von Mediengewalt unterstützt. Wir verlieren mit ihnen zwei Menschen mit Durchblick und Verantwortungsgefühl und werden auch in ihrem Sinne weitermachen.

Anlässlich des Gutachtens zur Nichtanerkennung von sog. eSport, unsere Pressemitteilung zusammen mit dem Verein gegen Mediengewalt: https://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2019/08/20190826_IMV-PM_eSport-nicht-gemeinnuetzig.pdf.

 


Newsletter August

…richtig, die beiden Begriffe (App & Datenschutz) und das, was dahinter steckt, schließen einander aus.

Liebe Interessierte,

ob Sie es selbst schon bemerkt haben, bemerken werden oder informiert wurden: es ist Großes im (Um)Schwange. Viele Banken gehen dazu über, ihr Online-Banking (primär) als App-Funktion anzubieten, d.h. dass sowohl Dienstleistungen und Services wie auch die Authentifizierung einer Person im so genannten TAN-Verfahren über eine Smartphone-App für iPhone oder Androids mit Google-Einbindung laufen sollen anstelle von TANs via SMS oder gedruckten Transaktionsnummern. Es bleibt mit dem ChipTAN-Verfahren nicht bei allen Banken eine Möglichkeit erhalten, das Online-Banking mittels Computer durchzuführen. Der Trend geht eindeutig hin zur Banking-App – auch die persönliche Beratung. Die Vorteile werden darin gesehen, dass Funktionen vereinfacht und Sicherheit erhöht werden – denn SMS sind in der Theorie reichlich einfacher abzufangen als verschlüsselte Kommunikation innerhalb von geschlossenen Plattformsystemen. Dennoch bleibt das Ganze nicht ganz ohne:

Zunächst einmal erfordert die Umstellung den Besitz eines Smartphones – eines iPhones oder eines Androids (offenes Betriebssystem) mit Google-Konto. Das schließt einerseits Menschen aus, die kein Smartphone haben oder auf ihrem Smartphone aus Sicherheitsgründen quelloffene Software benutzen – als Alternative zum Google-Android. Dazu gehören Menschen, die kein Smartphone benutzen können, ebenso wie User, die Google und Co. nicht ihre gesamten Daten preisgeben, sondern ihre Souveränität im Online-Leben erhalten wollen (https://netzpolitik.org/2019/warum-post-bank-und-co-ihre-kunden-nicht-zwingen-sollten-apps-zu-benutzen/).

Eine solche Souveränität kann nur dann gegeben sein, wenn man gut informiert ist – und bereits da beginnnen die Probleme sehr früh: die Umstellung der Verfahren funktioniert im Moment sehr unübersichtlich, es gibt nicht nur große Unterschiede zwischen den Banken, sondern auch zwischen den deutschen Bundesländern (https://www.chip.de/news/Sparkasse-laeutet-Ende-der-smsTAN-ein-Kunden-muessen-umsteigen-diese-Alternativen-gibt-es_166850145.html).

Unklar bleibt auch, welche der Daten aus dem Online-Banking direkt an den Smartphone-Betreiber gehen. Wenn etwa Fotos von Rechnungen in der Banking-App verarbeitet werden, dann hat nicht nur die Bank Zugang zu den Daten, sondern eben auch Apple oder Google. Zwar bewerten einschlägige Institute die Banking-Apps als sicher, aber beschreiben gleichzeitig zahlreiche Sicherheitslücken – wie etwa das erfolgreiche Aufbrechen der Transportverschlüsselung beim Datenverkehr oder das Übersenden von für die Transaktion völlig unnötigen Daten. Auch offen ist, welche Daten beim so genannten Multibanking an wen übersandt werden – also wenn eine App für die Nutzung verschiedener Bankinstitute genutzt wird – und welche Daten in öffentlichen WLANs abfließen (https://www.chip.de/news/Bank-Apps-im-Test-Wie-unsicher-ist-das-mobile-Banking-per-Handy_149075488.html).

Zu allem Überfluss kommt: Viele Nutzende wissen im Moment nicht, wie persönliche Übersicht und Nachvollziehbarkeit gesichert werden, etwa Ausdrucke für das Finanzamt.

Es erscheint also alles in allem eine unausgereifte Angelegenheit, die weniger an den Bedürfnissen der Kunden nach sicherem Zahlungsverkehr orientiert ist als an einer diffusen Technologieentwicklung: Überall wird vor IT-Sicherheitslücken gewarnt – also etwa dem Ausspähen von Daten, dem Eindringen in fremde IT-Systeme oder auch der Manipulation (https://www.bsi.bund.de/DE/Publikationen/Lageberichte/lageberichte_node.html). Nun arbeitet gerade der Bankensektor seit Jahrzehnten an sehr sicheren internen IT-Systemen, aber baut zahlreiche Schwachstellen in die Schnittstelle zum Kunden ein.

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz und algorithmischer Entscheidungssysteme werfen zentrale Probleme der Nachvollziehbarkeit, Kontrolle und Diskriminierung auf – und dennoch werden weiter Technologien eingeführt, die das Scoring von Personen (Zuweisung von Positionen und Lebenschancen in Abhängigkeit von persönlichen Ressourcen) sowie die Personalisierung (Gestaltung des informationellen Umfeldes einer Person in Abhängigkeit von persönlichen Eigenschaften und Interessen) unüberschaubar verstärken (http://www.svr-verbraucherfragen.de/dokumente/verbrauchergerechtes-scoring/). Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass bei fehlenden Schutzeinstellungen (die vielleicht nicht alle Nutzenden beherrschen) die Banken dann Standortdaten ihrer Kunden ermitteln können – also wissen, wann Sie zuletzt wo gewesen sind, z.B. in einem Krankenhaus oder Casino. Ob und wie sich das auf die Bereitstellung von Krediten auswirkt? Oder auf ein Scoring, was bei der Vergabe von Wohnungen heran gezogen wird?

Besonders kritisch ist das vor allem dann, wenn eine Bank nur noch ein solches Angebot zur Verfügung stellt und den Kunden keine Wahl lässt zwischen verschiedenen Möglichkeiten. Hier muss man sich fragen: Welcher Art von Kunden wird die Wahl entzogen? Was bedeutet es, wenn eine Bank ihren Kunden nur noch ein Angebot zur Verfügung stellt (eine App), eine andere zwei (eine App und eine Desktop-Variante) oder viele Möglichkeiten? Und wie lange wird es diese Wahlmöglichkeit noch geben?

Zu guter Letzt ist aber auch völlig offen, wie das mit dem vermeintlich smarten Banking überhaupt gehen soll in einem Land, das von Funklöchern ebenso geprägt ist wie ein Schweizer Käse.

Was kann man tun?

– sich bei seiner Bank erkundigen, was genau geplant ist, wie das genau funktioniert und ob Computer und freie Betriebssysteme mit erfasst sind – man kann sich einen Überblick verschaffen, welche Produkte und Dienstleistungen andere Banken hier anbieten

– man kann versuchen, die Online-Angebote den eigenen Bedürfnissen anzupassen – etwa die PC-Nutzung zu erfragen, die Bereitstellung von Apps für quelloffene Betriebssysteme – oder auch den Wechsel der Bank

– man kann die übergeordneten Fragen an Politik und Öffentlichkeit richten – sei es in Bürgerbriefen an Politiker, der fallbezogenen Berichterstattung in lokalen Medien/ Internet oder der allgemeinen Thematisierung in der Bundespresse

mindestens mal. Wir bleiben dran!

 


Newsletter Juli

Liebe Interessierte,

am 1. Juli 2009 wurde die Phamazeutin und ehemalige Handballnationalspierlerin Ägyptens Dr. Marwa el-Sherbiny im Landgericht Dresden von einem Rechtsextremen ermordet. Es hat lange gedauert, bis Medien und Politik auch nur ansatzweise die Dimension dieser islamophoben Tat erkannten. Die Aufklärung der Versäumnisse des Gerichts, eines den Ehemann der Ermordeten anschießenden Polizisten und die Unterschätzung von Rassismus und Rechtsextremismus allgemein wirken bis heute nach und sind auch jetzt nur ansatzweise einmal Teil der Berichterstattung. Wenn das tragische Ereignis überhaupt erwähnt wird, dann nicht selten im Frame ritualisierten Gedenkens.

TS https://www.deutschlandfunk.de/preis-fuer-zivilcourage-zentralrat-der-muslime-ehrt.2849.de.html?drn:news_id=1023327

DNN https://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Dresden-gedenkt-Marwa-El-Sherbini-Mahnung-zu-Zivilcourage

Taz https://taz.de/Zum-10-Todestag-von-Marwa-El-Sherbini/!5603750/

DLF https://www.deutschlandfunk.de/dresden-staatsministerin-jahrestag-der-ermordung-von-marwa.1939.de.html?drn:news_id=1023089

MDR https://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/a/video-315618.html

Hier sind noch einmal unsere Versuche dokumentiert, auf die Dimension des Mordes hinzuweisen:

https://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2009/07/20090703_IMV_MedienZumantiislamMord-inDresden.pdf

https://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2009/07/20110715_IMV-Schiffer_InMemoriam-MarwaElSherbiny.pdf

Hiermit wollen wir auch dem Anliegen der Familie Marwa el-Sherbinys Nachdruck verleihen.

Der neue Preis für Zivilcourage in memoriam Marwa el-Sherbiny soll ein mahnendes Zeichen setzen und ist zur Lebendigerhaltung der Erinnerung oder überhaupt Aufmerksammachung auf den Skandal durchaus geeignet – allerdings birgt auch er die Gefahr, dass hier Gedenken ritualisiert und die Problematik individualisiert wird. Letzteres darf nicht passieren!

https://www.deutschlandfunk.de/preis-fuer-zivilcourage-zentralrat-der-muslime-ehrt.2849.de.html?drn:news_id=1023327

In Berlin hat die in Deutschland lebende israelische Künstlerin mit der Performance „Marwas First Moment“ vor dem Bundeskanzleramt ein politisches Zeichen gesetzt, einen Appell daran, die strukturellen Bedingungen zu erkennen, die solchen Taten – als Spitze eines rassistischen Eisbergs – zugrunde liegen. Hier dokumentiert von AntiKrieg-TV – die eingeladenen Medien berichteten nicht:

In Memoriam Marwa el-Sherbiny – Performance von Noa Gur gegen Hassverbrechen – vor Bundeskanzleramt

In Memoriam Marwa el-Sherbiny – Rede von Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung)

 


Newsletter Juni

Liebe Interessierte,

spätestens mit den Angriffen der CDU-Vorsitzenden sollte allen klar geworden sein, dass Youtuber ein Teil des Mediensystems sind – und wenn ihre Meinungsfreiheit beschnitten werden kann, dann eben auch die aller anderen Medien.

Als der Youtube-Influencer mit dem Künstlernamen Rezo mit seinem 55-minütigen Video „Die Zerstörung der CDU“ https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ zeigte, was mediale Recherche kann und leisten muss, hatte man anscheinend von so mancher Medienseite den Eindruck, dass man sich abzugrenzen habe. Besonders die FAZ, der Rezo schon in einem Beitrag zu Artikel 13 Manipulationstechniken nachwies, polemisierte gegen ihn. In diesem älteren Beitrag wird unter anderem nachgewiesen, wie mit Ad Hominem-Attacken von Inhalten abgelenkt werden soll – auch das trifft nun auf den Umgang mit Rezos gewichtigen Analysen zu, die er allerdings parteipolitisch festmacht : https://www.youtube.com/watch?v=iNpB73CAdL8 Die Art mag für Nachrichtengucker befremdlich sein, für Fans von Anstalt und HeuteShow schon weniger. Für die FAZ aber ganz besonders:

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/rezos-anti-cdu-video-propaganda-von-der-ganz-feinen-sorte-16202294.html

Auf Twitter – ein Journalistenmedium inzwischen – wird kontrovers über das Phänomen diskutiert mit lesenswerten Kommentaren:

Einen anderen Umgang sucht dieser Spiegel-Beitrag, der Rezos Quellen nachprüft und wohlwollend feststellt, dass die Fakten stimmen – die ein oder andere statistische Grafik aber sorgfältiger hätte ausgewählt werden können:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/rezo-video-die-youtube-angriffe-auf-die-cdu-im-spiegel-faktencheck-a-1268973.html

Andere haben erkannt: Wir als Journalisten verfahren auch nicht anders – wählen Fakten aus, lassen welche weg, spitzen zuweilen zu und erzählen eine Geschichte.

z.B. https://twitter.com/gutjahr/status/1132197651741646848 Richard Gutjahr ist auch später derjenige, der twittert: „Noch nie so geschämt, auch mal für die FAZ geschrieben zu haben“ (Richard Gutjahr‏Verifizierter Account @gutjahr 26. Mai https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/rezo-der-geschaeftsmann-16205847.html … #rezo #rezovideo)

Die Friedensbewegung sollte sich freuen, dass es Rezo beispielsweise gelungen ist, die Bedeutung von Ramstein und damit Deutschland für den Drohnenkrieg bekannt zu machen – was etwa der langjährigen Kampagne gegen die Relaisstation nicht gelungen ist: https://www.ramstein-kampagne.eu/. Aber auch hier gibt es Skepsis. Aus Unkenntnis über die Funktionsweise von Influencer Marketing verdächtigen manche den Werbeträger Ströer der Einflussnahme.

Medien als Markt sind ein Problem, aber die Grenze ist nicht zwischen den einzelnen Kanälen zu ziehen. Wir sollten jedoch durchaus über genossenschaftliche Plattformen und ein öffentlich-rechtliches Internet nachdenken. Und natürlich über die Sachfragen von Klimaschutz, Klientelpolitik, (un)gerechte Weltwirtschaft und Kriegspolitik. Jeder Beitrag zur Transparenz ist dafür wertvoll.

 


Newsletter Mai

Liebe Interessierte,

die meisten Shitstorms bleiben auf eine kleine Menge Menschen beschränkt, die davon mitkriegen. Die Beteiligten meinen freilich, die Welt drehe sich ausschließlich darum und alle hätten die evtl. eigene Peinlichkeit mitbekommen. Das Problem ist nicht ungefährlich und grenzt nicht selten an das Thema Cybermobbing mit damit verbundenen Selbstmorden, wie beispielslweise das traurige Schicksal der Schülerin Amanda Todd zeigt. Aber auch so eine Online-Community kann einem Angst machen, wenn etwa der gesamte Followerstamm einer Internetikone sich auf ein Opfer – oder einen Täter? – stürzt. Tatsächlich ist eine Meinungsverschiedenheit in den aSozialen Medien oft extrem unsozial, beleidigend und in seiner Masse vielleicht sogar bedrohlich – nicht nur wegen so mancher tatsächlich ausgesprochen Drohungen, sondern auch der Möglichkeit mal vor dem Haus der fokussierten Hassfigur auftauchen zu können. Insgesamt scheint sich im Netz zunehmend Häme breit zu machen, was man nicht nur am Tonfall der Schaden-Freude über den vielleicht Fehler eines anderen, sondern auch am zelebrierten Nachtreten erkennen kann.

So geschehen bei der Reaktion auf den rassistischen Facebook-Eintrag von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der sich über die ihm zu multi-kulturelle Werbekampagne der Bahn echauffierte. Seine einleitenden Worte „Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein … Welche Gesellschaft soll das abbilden?“ hat er zwar auch eine phantasievolle Welle von teils lustigen Analogiebildungen nach sich gezogen – etwa, wenn ein Twitterer mit dem frauenfreien Foto aus dem Innenministerium fragt „Der Shitstorm … Welche Gesellschaft soll das abbilden?“, aber der Shitstorm wollte partout nicht abreißen, nachdem selbst die Bahn gegen Palmers Ausfälle dezidiert und klärend Stellung genommen hatte und viele andere mehr. Hier ein kleiner sachliche gehaltener Einblick für Nicht-„social“-media-Affine: https://www.tagesspiegel.de/politik/boris-palmer-kritisiert-deutsche-bahn-der-shitstorm-wird-nicht-vermeidbar-sein/24245510.html.

Den Streit zwischen Anja Rützel und Enissa Amani beschreibt Mely Kiyak ganz übersichtlich, wobei wir uns hier schon der Parteinahme verdächtig machen könnten – denn die Medienwelt teilte sich angesichts der Blödelnummer der Comedienne Amani und der Rezensentin einer Preisverleihung und somit Journalistin Rützel in online-Follower-Power und eben Journalist*nnen. https://www.zeit.de/kultur/2019-04/enissa-amani-influencerin-anja-ruetzel-kritik-deutschstunde/komplettansicht und DAS Corpus Delicti von Rützel https://www.spiegel.de/kultur/tv/about-you-awards-prosieben-show-in-der-tv-kritik-von-anja-ruetzel-a-1263571.html Auch die Teilung der Medienwelt in einzelne Kanäle ist bemerkenswert, so dass sich auf Instagram ein ganz anderen Bild ergeben mag als auf Twitter und in Print. Bisher reißt die Bekämfung des jeweiligen anderen Teams noch nicht ab.

Die beiden Beispiele sind nur relativ aktuelle Momentaufnahmen eines Phänomens, das beschäftigungstherapeutschen Charakter hat für die, die involviert sind. Die Kampagne #nohatespeech könnte demnach ständig ihr Tätigkeitsfeld erweitern. Bekannt ist, dass vor allem politisch oder publizistisch aktive Frauen sich aus dem Netz mobben lassen. https://www.zeit.de/news/2018-11/15/lena-meyer-landrut-und-der-hass-im-netz-gegen-frauen-181115-99-820882

Mitten im Shitstorm und Gegenshitstorm stellt sich die Frage: Wann ist es genug? Und, was kommt wieder? Denn die auf Traffic ausgerichteten Algorithmen belohnen zumeist Entgleisungen, weniger die folgende Aufklärung. Letztere Erkenntnis bezieht sich jedoch nicht nur auf Shitstorms, sondern auch auf falsche Berichterstattung – so findet man beispielsweise die Aufklärung in einer einfachen Google-Suche zum Ukraine-Konflikt nicht, sondern vor allem die Erstberichterstattung, auch wenn sie inzwischen widerlegt wurde.

mehr zum Thema Algorithmus:

Hofstetter, Yvonne (2016): Sie wissen alles. Wie Big Data in unser Leben eindringt und warum wir um unsere Freiheit kämpfen müssen. München: Bertelsmann Verlag.

O’Neil, Cathy (2016): Weapons of Math Destruction. How Big Data increases Inequality and threatens Democrac. New York: Crown Publishing Group.

+ watch Danah Boyd https://www.youtube.com/watch?v=NTl0yyPqf3E

IMV News

Die neu konzipierten Seminare zum Erwerb eines Medienführerscheins werden in einem extra Unterpunkt angekündigt. Hier sei noch die Ostermarschrede von Sabine Schiffer verlinkt: https://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2019/04/20190420_IMV-Schiffer_Ostermarschrede.pdf.

In der 20. Kalenderwoche findet wieder unsere jährliche Woche der Transparenz statt. Bitte versehen Sie Ihre Beiträge, die in einem kurzen Vorspann ihre Entstehungsgeschichte erläutern, mit dem beigefügten Logo. Mehr zur Idee der Transparenzwoche finden Sie hier: https://www.medienverantwortung.de/das-institut/projektbeispiele/#wodetrans.

IMV Medienbildung

Das Institut für Medienverantwortung bietet für Schulen Bildungsmodule zum Thema Medienkompetenz an. Das Konzept zeichnet sich dadurch aus, dass es sich an der Wahrnehmungsentwicklung der Kinder orientiert (und nicht an den Vermarktungsinteressen der IT-Branche/mehr dazu www.generationmedien.de). Die Module sind altersgerecht konzipiert und bieten in Ihrer Gänze ein umfassendes Medienwissen für einen souveränen Umgang mit alten und neuen Medien.

Zu den Inhalten des Medienführerschein gehören folgende Bildungseinheiten in Stichworten:

Algorithmen,Cybermobbing,Cybergrooming, Datenschutz, Extremismusprävention, Games und Abzocke, Informationsfindung -prüfung und -bewertung, Medienberufe und journalstische Darstellungsformen, Medienentwicklung, Mediengewalt, Medienrecht, Mediennutzung und Mediensucht, mobile Kommunikation und Sicherheit, Print vom Buch bis zur Zeitung, Radio, Fernsehen, Social Media, Selbstorganisation,Online-Archive und Datensicherung, Urheberrecht, Werbung erkennen, also auch Youtube- und Insta-Stars.

Einen Bericht über eines der bereits durchgeführten Seminare – hier unter Einbindung der Lehrkräfte – finden Sie hier: https://wilhelmstadtschulen.de/blog/projektwoche-digitale-medien-kompetenzen-fuer-gegenwart-und-zukunft. Zum Erwerb des Medienführerscheins wird eine ganze Schulwoche benötigt.

Bei Interesse melden Sie sich im Büro bei Louisa Müller info@medienverantwortung.de.

 


Newsletter April

Liebe Interessierte,

aufgrund der sehr traurigen Ereignisse im neuseeländischen Christchurch und den Fragen nach dem medialen Umgang mit dem gezielten Terroranschlag auf Muslime, der Medien als Vehikel für die eigene Zurschaustellung fest einplante, erreichten uns mehrere Anfragen für Kommentare.

Hier ein Gastbeitrag im Neuen Deutschland und ein Interview für die Freiheitsliebe jeweils von Sabine Schiffer…

PR für Terroristen
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=2788152cb0&e=b75b7f9333 (Text siehe unter dieser Mail)

Antimuslimischer Rassismus oder Wenn aus Worten Taten werden
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=e86dc0b422&e=b75b7f9333

Es gab einiges an medienkritischer Reflexion in verschiedenen Medien, die wir hier ausdrücklich empfehlen:

Stefan Fries: Medien machen sich zu Mittätern
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=96a51e0000&e=b75b7f9333

Sascha Lobo: Der Troll-Terrorist
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=7c4c725b52&e=b75b7f9333

Nils Minkmar: Er meinte uns
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=a1b6cd4712&e=b75b7f9333

Thomas Bergböhmer: Mediendebatte um Massakervideo von Christchurch
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=c9c6420222&e=b75b7f9333

IMV News

Unsere Kontaktdaten haben sich geändert, Postanschrift und Telefonnummer – wie unten in der Signatur ersichtlich… Wir sind also ins beschauliche Wilmersdorf südlich vom KuDamm gezogen und gut mit der U9 (Spichernstraße) oder dem Bus 249 (Pariser Straße) erreichbar. Mailtechnisch ändert sich nichts.

 


Newsletter März

Liebe Interessierte,

unsere Medien übernehmen vielfach den euphorischen Ton in der Verkündung eines Kompromisses beim sogenannten Digitalpakt Schule. Statt dem eigenen Metier des unabhängigen Journalismus nachzugehen, wird mit Frames der #Erleichterung und des #Wegfreimachens reagiert – für die Möglichkeit, dass der Bund die Länder bei der Bildung „unterstütze“. Eigentlich sollte man erwarten, dass Medien als Vierte Gewalt bei einer möglicherweise anstehenden Verfassungsänderung kritischere Fragen stellten.

Unsere Pressemitteilung zum Thema, die gleichzeitig auch an diverse Medien herausgeht, sowie an unseren Verteiler zur Medienbildung – und natürlich gerne weitergeleitet werden darf, finden Sie unter dieser Mail. Wir hoffen auf eine konstruktive(re) Diskussion!

Pressemitteilung Der Digitalpakt greift zu kurz, ein Bildungspakt muss her!

IMV News

Wer sich für unseren unregelmäßigen Versand von Infos zum Thema Medienbildung interessiert, kann sich gerne noch auf die entsprechende Verteilerliste setzen lassen. Bitte melden!

 


Newsletter Februar

Liebe Interessierte,

wer bereits beobachtet hat, wie PR-Kampagnen öffentliche Diskurse beeinflussen, denen konnte die Veröffentlichung der „Lungenfachärzte“ zu den geplanten Fahreinschränkungen verdächtig vorkommen. Ähnliche Verwirrung durch (angeblich unabhängige) Studien gab es in der Vergangenheit immer wieder einmal.

Etwa, die langjährige Leugnung eines Zusammenhangs zwischen Rauchen und Lungenkrebs oder Asbest und Lungenkrebs, wobei aus „Fachkreisen“ heraus kritisiert wurde, dass man nicht monokausal diese eine Begründung nachweisen könne. Ähnlich verlief der Diskurs beim Thema Computerspielsucht. Dabei ließ sich jeweils schnell ermitteln, dass wenn Studien wirklich unabhängig und langfristig angelegt waren, die Zusammenhänge schnell eindeutig erkennbar waren.

Die Forderung nach Monokausalität (die es in der Natur nie gibt) diente dabei immer dem Argument, dass man erst forschen müsse und solange keine Maßnahmen ergreifen könne. Dieses Framing wird erstaunlich unwidersprochen akzeptiert, denn rein rational betrachtet könnte sich aus einer uneindeutigen wissenschaftlichen Situation genau die gegenteilige Forderung ergeben, dass man aus Vorsicht lieber einmal präventiv strengere Maßstäbe anlegt, als bei geklärter.

Da es so schön funktioniert, dass eine Faktendebatte zu einer Meinungsdebatte mutiert – vor allem, wenn Unüberlegte gleich mit einer gegenteiligen Stellungnahme in die Debatte eingreifen und damit Akzeptanz des falschen Framings signalisieren – verleitet das zur Wiederholung. Imkonkreten Fall ist u.a. der sicher wohlmeinende Karl Lauterbach auf die „Studie“ eingestiegen und hat dagegen argumentiert, dass es auch andere gäbe… damit wurde der Frame der „Wissenschaftsdiskussion“ akzeptiert.

Diesmal war es nur so plump, weil neben der BILDzeitung auch gleich der autolobbyistisch tätige Verkehrsminister in die strategische Nutzung der eröffneten Debatte einstieg und daraus Beibehaltungsforderungen ableitete, dass selbst der opportun geframte Anne-Will-Talk als Versuch der Inszenierung eines Wissenschaftsstreits aufgeflogen ist und zumindest teilweise die Frage nach den Interessen hinter der Kampagne gestellt werden.

https://www.merkur.de/politik/grenzwerte-streit-lungenaerzte-immer-schaerfer-feinstaub-debatte-geht-weiter-zr-11468915.html
https://www.n-tv.de/wissen/Wissenschaftler-Einwurf-als-Lobby-Instrument-article20828009.html
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2019-01/luftqualitaet-luftverschmutzung-grenzwerte-stickoxide-feinstaub?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.twitter.ref.zeitde.share.link.x
https://www.deutschlandfunk.de/der-tag-stickoxid-grenzwerte-die-scheindiskussion.3415.de.html?dram:article_id=439250

Bei aller Aufklärung bleibt jedoch der Frame der Meinungsdebatte auch wider besseren Wissens gesetzt: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/lungenaerzte-zu-feinstaub-und-stickoxiden-die-einen-sagen-so-die-anderen-so-a-1250412.html

Die Ärzte sind zum großen Teil gar keine Fachärzte oder gar noch nicht mal Ärzte

und so überzeugten sie auch nicht darin, die Problematik um Feinstaub und Stickoxid gegeneinder auszuspielen. Nicht zuletzt Lobbycontrol hat die PR-Strategie durchschaut:

Interessant ist nur, dass Medien hier bereits gute Aufklärungsarbeit geleistet haben z.B. DLF https://www.deutschlandfunk.de/lungenfachaerzte-gegen-feinstaubgrenzwerte.676.de.html?dram:article_id=439257
z.B. WDR https://twitter.com/aktuelle_stunde/status/1088850306488827908
z.B. https://www.deutschlandfunk.de/grenzwert-debatte-kritik-an-deutschen-aerzten-komplett.2850.de.html?drn:news_id=970066
z.B. https://www.deutschlandfunkkultur.de/debatte-
z.B. www.deutschlandfunk.de/der-tag-stickoxid-grenzwerte-die-scheindiskussion.3415.de.html?dram:article_id=439250ueber-schadstoff-grenzwerte-sorge-um-vertrauen-in.1008.de.html?dram:article_id=439390
z.B. www.deutschlandfunk.de/der-tag-stickoxid-grenzwerte-die-scheindiskussion.3415.de.html?dram:article_id=439250

oder https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Diesel-Lungenaerzte-machen-Medienkarriere,diesel342.html

und interessierte Politiker und Lobbyisten dennoch versuchen die Fake-Debatte zu nutzen.

IMV News

Seit Anfang des Jahres haben wir zudem eine neue Mitarbeiterin, Louisa Georgia Müller, die uns im neuen Büro in Berlin unterstützt. Die Studierende der Journalistik und Unternehmenskommunikation hat bislang zu Stereotypen in der politischen Berichterstattung geforscht und interessiert sich besonders für Framingprozesse und die Medienwirkungsforschung.