Newsletter – 2019


Inhaltsverzeichnis


 

Newsletter April

Liebe Interessierte,

aufgrund der sehr traurigen Ereignisse im neuseeländischen Christchurch und den Fragen nach dem medialen Umgang mit dem gezielten Terroranschlag auf Muslime, der Medien als Vehikel für die eigene Zurschaustellung fest einplante, erreichten uns mehrere Anfragen für Kommentare.

Hier ein Gastbeitrag im Neuen Deutschland und ein Interview für die Freiheitsliebe jeweils von Sabine Schiffer…

PR für Terroristen
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=2788152cb0&e=b75b7f9333 (Text siehe unter dieser Mail)

Antimuslimischer Rassismus oder Wenn aus Worten Taten werden
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=e86dc0b422&e=b75b7f9333

Es gab einiges an medienkritischer Reflexion in verschiedenen Medien, die wir hier ausdrücklich empfehlen:

Stefan Fries: Medien machen sich zu Mittätern
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=96a51e0000&e=b75b7f9333

Sascha Lobo: Der Troll-Terrorist
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=7c4c725b52&e=b75b7f9333

Nils Minkmar: Er meinte uns
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=a1b6cd4712&e=b75b7f9333

Thomas Bergböhmer: Mediendebatte um Massakervideo von Christchurch
https://medienverantwortung.us18.list-manage.com/track/click?u=c25a94939c4c14147fd2e1a11&id=c9c6420222&e=b75b7f9333

IMV News

Unsere Kontaktdaten haben sich geändert, Postanschrift und Telefonnummer – wie unten in der Signatur ersichtlich… Wir sind also ins beschauliche Wilmersdorf südlich vom KuDamm gezogen und gut mit der U9 (Spichernstraße) oder dem Bus 249 (Pariser Straße) erreichbar. Mailtechnisch ändert sich nichts.


Newsletter Februar

Liebe Interessierte,

wer bereits beobachtet hat, wie PR-Kampagnen öffentliche Diskurse beeinflussen, denen konnte die Veröffentlichung der „Lungenfachärzte“ zu den geplanten Fahreinschränkungen verdächtig vorkommen. Ähnliche Verwirrung durch (angeblich unabhängige) Studien gab es in der Vergangenheit immer wieder einmal.

Etwa, die langjährige Leugnung eines Zusammenhangs zwischen Rauchen und Lungenkrebs oder Asbest und Lungenkrebs, wobei aus „Fachkreisen“ heraus kritisiert wurde, dass man nicht monokausal diese eine Begründung nachweisen könne. Ähnlich verlief der Diskurs beim Thema Computerspielsucht. Dabei ließ sich jeweils schnell ermitteln, dass wenn Studien wirklich unabhängig und langfristig angelegt waren, die Zusammenhänge schnell eindeutig erkennbar waren.

Die Forderung nach Monokausalität (die es in der Natur nie gibt) diente dabei immer dem Argument, dass man erst forschen müsse und solange keine Maßnahmen ergreifen könne. Dieses Framing wird erstaunlich unwidersprochen akzeptiert, denn rein rational betrachtet könnte sich aus einer uneindeutigen wissenschaftlichen Situation genau die gegenteilige Forderung ergeben, dass man aus Vorsicht lieber einmal präventiv strengere Maßstäbe anlegt, als bei geklärter.

Da es so schön funktioniert, dass eine Faktendebatte zu einer Meinungsdebatte mutiert – vor allem, wenn Unüberlegte gleich mit einer gegenteiligen Stellungnahme in die Debatte eingreifen und damit Akzeptanz des falschen Framings signalisieren – verleitet das zur Wiederholung. Imkonkreten Fall ist u.a. der sicher wohlmeinende Karl Lauterbach auf die „Studie“ eingestiegen und hat dagegen argumentiert, dass es auch andere gäbe… damit wurde der Frame der „Wissenschaftsdiskussion“ akzeptiert.

Diesmal war es nur so plump, weil neben der BILDzeitung auch gleich der autolobbyistisch tätige Verkehrsminister in die strategische Nutzung der eröffneten Debatte einstieg und daraus Beibehaltungsforderungen ableitete, dass selbst der opportun geframte Anne-Will-Talk als Versuch der Inszenierung eines Wissenschaftsstreits aufgeflogen ist und zumindest teilweise die Frage nach den Interessen hinter der Kampagne gestellt werden.

https://www.merkur.de/politik/grenzwerte-streit-lungenaerzte-immer-schaerfer-feinstaub-debatte-geht-weiter-zr-11468915.html
https://www.n-tv.de/wissen/Wissenschaftler-Einwurf-als-Lobby-Instrument-article20828009.html
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2019-01/luftqualitaet-luftverschmutzung-grenzwerte-stickoxide-feinstaub?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.twitter.ref.zeitde.share.link.x
https://www.deutschlandfunk.de/der-tag-stickoxid-grenzwerte-die-scheindiskussion.3415.de.html?dram:article_id=439250

Bei aller Aufklärung bleibt jedoch der Frame der Meinungsdebatte auch wider besseren Wissens gesetzt: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/lungenaerzte-zu-feinstaub-und-stickoxiden-die-einen-sagen-so-die-anderen-so-a-1250412.html

Die Ärzte sind zum großen Teil gar keine Fachärzte oder gar noch nicht mal Ärzte

und so überzeugten sie auch nicht darin, die Problematik um Feinstaub und Stickoxid gegeneinder auszuspielen. Nicht zuletzt Lobbycontrol hat die PR-Strategie durchschaut:

Interessant ist nur, dass Medien hier bereits gute Aufklärungsarbeit geleistet haben z.B. DLF https://www.deutschlandfunk.de/lungenfachaerzte-gegen-feinstaubgrenzwerte.676.de.html?dram:article_id=439257
z.B. WDR https://twitter.com/aktuelle_stunde/status/1088850306488827908
z.B. https://www.deutschlandfunk.de/grenzwert-debatte-kritik-an-deutschen-aerzten-komplett.2850.de.html?drn:news_id=970066
z.B. https://www.deutschlandfunkkultur.de/debatte-
z.B. www.deutschlandfunk.de/der-tag-stickoxid-grenzwerte-die-scheindiskussion.3415.de.html?dram:article_id=439250ueber-schadstoff-grenzwerte-sorge-um-vertrauen-in.1008.de.html?dram:article_id=439390
z.B. www.deutschlandfunk.de/der-tag-stickoxid-grenzwerte-die-scheindiskussion.3415.de.html?dram:article_id=439250

oder https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Diesel-Lungenaerzte-machen-Medienkarriere,diesel342.html

und interessierte Politiker und Lobbyisten dennoch versuchen die Fake-Debatte zu nutzen.

IMV News

Seit Anfang des Jahres haben wir zudem eine neue Mitarbeiterin, Louisa Georgia Müller, die uns im neuen Büro in Berlin unterstützt. Die Studierende der Journalistik und Unternehmenskommunikation hat bislang zu Stereotypen in der politischen Berichterstattung geforscht und interessiert sich besonders für Framingprozesse und die Medienwirkungsforschung.